DenkWege zu Luther

Das bundesweite Projekt der Ev. Akademien Sachsen-Anhalt und Thüringen zur philosophischen, kulturellen und religionskundlichen Bildung mit Jugendlichen zum Reformationsjubiläum 2017 [www.DenkWege-zu-Luther.de]



DenkWege zu Luther
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Seminarhandreichung Politik und Reformation



Der Sinn von Politik ist Freiheit!


1. Seminargrundlage



Die inhaltlichen Grundlagen des Seminars bilden die Personen und ausgewählte Texte von Martin Luther, Dietrich Bonhoeffer und Hannah Arendt mit Blick auf ihr politisch-philosophisches Denken und den historischen sowie politisch-gesellschaftlichen Gegebenheiten ihrer Zeit.
Die Annäherung an die genannten Personen erfolgt über eine kurze biographische Einführung und der Erläuterung der jeweiligen historischen Umstände, in welcher die Person lebte.
Den größten Zeitraum im Seminar nehmen nach der jeweiligen Lektüre die Diskussionen über die Texte und deren Aussagen ein. Die Jugendlichen bestimmen selbst, welche Fragen "ihnen auf den Nägeln brennen" und wie ausführlich diese diskutiert und beleuchtet werden. Der Seminarleiter hält sich im Hintergrund, er gibt auf Wunsch sachliche Hinweise, greift aber nur begrenzt in die Diskussionen ein. Die Jugendlichen sollen selbstständig und in der Gruppe Fragen formulieren, welche sie im weiteren Seminarablauf begleiten und immer wieder ganz konkrete Bezüge zu ihrem persönlichen Leben herstellen. Natürlich ist das am Anfang ungewohnt, aber schon nach kurzer Zeit beginnen die Jugendlichen "unbegrenzt" zu denken, stellen Verknüpfungen und Bezüge zu bereits vorhandenem Wissen her und üben sich im philosophischen Denken - frei von Vorgaben, Lernzielen oder klausurrelevanten Abfragewissen.
Neben denen zur philosophischen Textarbeit zur Verfügung gestellten Quellen, stehen den Schülern auch Zeitungsartikel zur Verfügung, die immer wieder konkrete Bezüge zum Heute anhand aktuell politischer, gesellschaftlicher oder kulturellen Themen und Diskussionen ermöglichen. Die Zeitungsartikel bieten somit die Gelegenheit, das historische Wissen und die Denkansätze der behandelten Protagonisten ins Jetzt und Hier und den Lebensalltag der Schülerinnen und Schüler zu übertragen und sich mit den abstrakten Prämissen konkret auseinander zu setzen. (Beispiels-weise wurde die im Sommer 2013 gerade aktuelle Kampagne der Partei Die Grünen zum sog. "Veggie Day" anhand von Leserbriefen überregionaler Zeitungen wie FAZ oder Süddeutsche Zeitung unter die Lupe genommen. Besonderes Interesse der Jugendlichen fand auch ein längerer Artikel über die künstlerischen Anliegen und Botschaften des spanischen Aktionskünstlers Santiago Sierrra mit dem Titel: "Der Skandal seid Ihr!")

2. Seminarinhalt



Martin Luthers Schriften sind für Jugendliche weder leicht zu lesen noch zu verstehen. Es bedarf daher einer sorgfältigen und gezielten Auswahl von Quellen. Zentrales Element in der Auseinandersetzung mit dem Leben und dem Werk Luthers bildet im Seminar die Schrift "Von weltlicher Obrigkeit, wie weit man ihr Gehorsam schuldig sei" aus dem Jahre 1523. Es ist die Zeit der Bauernaufstände und der Unruhe, welche vor allem den süddeutschen Raum aber auch die unmittelbare Heimat des Reformators (Mühlhausen, Bad Frankenhausen) erschütterten. Luther geht in dieser Schrift hart mit dem deutschen Adel ins Gericht. Er ist zutiefst unzufrieden, bezeichnet sie als "toll [meint hier tollwütig] gemacht" und "Narren". Wie sich der "rechte Christ" verhalten soll wird beschrieben und genauso was passiert, wenn sich „der Christenmensch wider dem göttlichen und weltlichen Recht“ erhebt. Luthers Freiheit ist keine Wahlfreiheit, welche am Ende im Umsturz und der Revolte erzielt wird, sondern sie ist in erster Linie Herrschaft (Duldung und Erziehung) an sich selbst.

Literatur:
Martin Luther: Von weltlicher Obrigkeit, wie weit man ihr Gehorsam schuldig sei, 1523. Gesammelte Werke. Digitale Bibliothek Band 63. Entspricht: Kurt Aland (Hg): Luther deutsch. Die Werke Martin Luthers in neuer Auswahl für die
Gegenwart, 10 Bände, Göttingen 1991 [=Luther-W]. (S. 9 - 15)

Dietrich Bonhoeffer, der bekennende Christ, der sein Leben für die Bekenntnis seines Glaubens und der Aktivität im politischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus gegeben hat, ist im Seminar mit zwei kurzen Texten vertreten. Neben der ge-wohnt biographischen Einführung werden die Jugendlichen über die Situation in Deutschland nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten informiert und mit dem Konflikt zwischen den "Deutschen Christen" und der "Bekennenden Kirche" vertraut gemacht. Bonhoeffers persönliche Zerrissenheit zwischen dem "deutschen Pflichtgefühl" eines Eides auf den Führer durch jeden deutschen Pfarrer und der Schuld, die er als Christ und Pfarrer auf sich lädt, wenn er dem "Obrigkeitlichen Amt" Genüge tut, bewegt Jugendliche sehr. Seine Einsicht, "... nicht nur die Opfer unter dem Rad zu verbinden, sondern dem Rad selbst in die Speichen zu fallen!" mit der für ihn persönlich tödlichen Konsequenz regt zu Gesprächen an, in denen sich die Jugendlichen mit ethisch-moralischen Themen wie Verantwortung, Schuld und Gewissen auseinandersetzen.

Literatur:
"Wer hält stand?" In: Gremmels, Christian/Huber, Wolfgang: Dietrich Bonhoeffer Auswahl, Band 6, Gütersloh 2006, S. 213 - 215.
Tietz, Christiane: Dietrich Bonhoeffer. Theologe im Widerstand. München 2013, S. 82f.

Hannah Arendt, die große deutsch-jüdische politische Philosophin, bildet den Bezug für die Zeit nach dem 2. Weltkrieg und geht über Deutschland hinaus, da sie während des Dritten Reiches in die Vereinigten Staaten emigrierte und in ihren Werken europäisch-amerikanische Verhältnisse beschreibt und durchdenkt. Ihre unbestechliche, klare und sich keinem Zeitgeist anbiedernde geistige und moralische Integrität, machen sie darüber hinaus zu einer spannenden Figur, nicht ohne Widersprüche, Ecken und Kanten. Ihre Aussage: "Der Sinn von Politik ist Freiheit!" ist der zentrale Grundgedanke des Seminars. Für Arendt steht nicht die völlige Kompromisslosigkeit, sondern das Abwägen des Kompromisses und der daraus erwachsenden eigenen Verantwortung und des eigenen Gewissens im Mittelpunkt. Jeder ist für sein Tun und seine persönliche Tat verantwortlich und kann sich nicht auf Worte wie Masse, Kollektivschuld oder Befehl und Gehorchen berufen. Nach Hannah Arendt gehört in je-dem bürokratischen System das Verschieben von Verantwortung zur täglichen Routine. „Bürokratie ist die Herrschaft des Niemand und aus diesem Grund die vielleicht schlimmste und grausamste Herrschaftsform." Mit diesen provokanten Erkenntnissen konfrontiert und mittels der Methode des freien Problemgespräches unterstützt, reflektieren die Seminarteilnehmer nicht nur Vergangenheit, sondern in erster Linie auch ihre eigen Lebenswirklichkeit und die Bedingungen ihrer gegenwärtigen Existenz.

Literatur:
Arendt, Hannah: Was ist Politik? München, Zürich 2003, S. 10 - 15.
Arendt, Hannah: Persönliche Verantwortung in der Diktatur. In: Israel, Palästina und der Antisemitismus. Berlin 1991, S. 7ff.

3. Präsentation



Die tägliche Arbeit wurde jeden Tag von einer Kleingruppe (2-3 Jugendliche) zusammengefasst und in Form eines Plakates am nächsten Morgen beim Tageseinstieg den anderen Seminargruppen kurz (10 Minuten) präsentiert. Zur Abschlusspräsentation gestaltete jeder Teilnehmer 2-4 Postkarten, zu den Themen oder Gedanken, die sie für sich als besonders bemerkenswert erachteten.




Ergänzende Literatur:
Melanie Findeisen: Denken ohne Geländer – Philosophische Jugendbildung im Anschluss an Hannah Arendt
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