DenkWege zu Luther

Das bundesweite Projekt der Ev. Akademien Sachsen-Anhalt und Thüringen zur philosophischen, kulturellen und religionskundlichen Bildung mit Jugendlichen zum Reformationsjubiläum 2017 [www.DenkWege-zu-Luther.de]



DenkWege zu Luther
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Unter Büschen. Zu Ironie und Praxis des Geocaching inklusive eines Fallbeispiels


Autor: Stephan Kratsch

Der Autor, der hier im Pluralis Auctoris schreibt, reflektiert als ein bildungserfahrener Skeptiker, der „angebissen hat“, die Methode des Geocaching und ihre Eignung für die Bildungsarbeit mit jungen Menschen unter vielen Gesichtspunkten und kommt zu diskussionsanregenden Überlegungen.

Das in Teil 5 beschriebene Geocaching wurde zusammen mit Ortrun Helmer für ein Seminar der „DenkWege zu Luther“ mit 7.Klassen entwickelt und durchgeführt.

Inhalt

Teil 1: Heutzutage
Der stille Wanderer
45° 17' 28? N, 122° 24' 48? W
Immer weiter

Teil 2: Kinder, Kinder
Fragen Sie das Kind!
Die Abenteuer des Unterholzes
Je raffinierter, desto interessanter
Tutanchamun- Supercach
Übt eine finstere Gruppe im Tann zukünftige Revolten?

Teil 3: Dem Zögling nach traben
Willkommen im Expertengremium!
Wir treffen Herrn de Montaigne
Herrn de Montaignes Brief
Traben ist besser als pauken
Der Aufschrei des Elternbeirates
Es geht um nichts weniger als Bildung
Und das Ganze auch noch vergnüglich…
Könnte Geocaching Bildung sein?
Warum die Bienen ausfliegen…
Haken schlagen
Vom Erstaunen

Teil 4: Das Kind spielt, der Zögling trabt, der Lehrer folgt
Erstens bis Fünftens
Da capo: der Zögling, der Lehrer und zwei Kinder
Herumliegen und gefunden werden – vom Abstand
Was weiß ich?
Nach guter Wegstrecke lockt das Symposium

Teil 5: Kann man vielleicht so machen – ein Gespräch

Teil 6: Abgesang




Teil 1: Heutzutage



Der stille Wanderer



Dem stillen Wanderer begegnen heutzutage vielleicht weniger Tiere des Waldes als noch zu früherer Zeit. Das mag an der wachsenden Scheu menschengeprüften Getiers liegen oder an rückläufiger Artenzahl. Es sei dahin gestellt. Was hingegen zunehmend häufiger widerfährt, sind seltsame Begegnungen mit Zeitgenossen zwischen Büschen.

Sie gehen im Wald so vor sich hin, und nichts zu suchen, das ist Ihr Sinn. Ein Knacken aus dem Unterholz lässt aufhorchen. Eine Gestalt löst sich aus dem Geäst. Sie nähert sich und quert Ihren Weg, um sich andererseits wieder ins Gebüsch zu schlagen. Dieser Mensch scheint ferngeleitet. In seiner Hand hält er ein Ding. Er schaut darauf, wiederholt und immer wieder. Er wendet sich bald hierhin, bald dorthin, als erhielte er eine Ihnen unverständliche Order. Ihnen fällt Bizarres ein. Liegt hier ein Irrsinn vor? Oder ist, wovor uns Science-Fiction-Filme warnten, nun wahr geworden? Oder sucht da gar einer Verborgenes?

All dies ist wahr, auf seine Weise, wie wir sehen werden. Doch zurück in den Wald: Dieser Mensch – was treibt er? Der Reim, den Sie sich darauf machen wollen, fällt schwächlich aus. So und weil Sie in guter Laune sind, beschließen Sie zu fragen. Aber was eigentlich?
Sie entschließen sich zur altüberlieferten Frage: „Was tun Sie denn da?“
Die Frage stoppt den Menschen sichtlich.
Er scheut Sie ein wenig an wie aus fernen Gedanken gerissen. Die Hand mit dem Gerät sinkt. „Ich mache“, sagt er, „Geocaching“.

45° 17′ 28″ N, 122° 24′ 48″ W



„Und was, bitte sehr, ist das?“ Als Antwort hören Sie: „Ich sage nur: 45° 17′ 28″ N, 122° 24′ 48″ W.“ Dies irritiert Sie zumindest. Diese Verwirrung scheint Ihnen im Gesicht zu stehen und so ergänzt der Waldläufer amüsiert: „Dies, mein Herr, sind die geografischen Daten für den ersten durch Dave Ulmer in der Nähe der Stadt Portland versteckten Cash. Er vergrub in einem schwarzen Plastikeimer eine CD, eine Videokassette, Geldscheine, ein Buch und eine Steinschleuder sowie eine Konservendose mit Bohnen, was er alles unter den genannten Koordinaten im World Wide Web veröffentlichte und damit zur digitalen Schnitzeljagd frei gab. Einen Schatz also, der mittels eines GPS-Gerätes geortet und gefunden werden kann. Und dieses verborgene Objekt nennt man den Cash, das Versteck aber den Stash. Und dies, mein Herr, hat sich in den letzten Jahren millionenfach wiederholt. Die gesamte Erdoberfläche reichert sich wie gespicktes Schweinefleisch mit Cashs an. Ich selbst bin auf dem Weg zu einem solchen Versteck.“

Aha. Ihnen mag nicht nur vom Wortschwall schwindeln, sondern auch von den globalen Dimensionen dieser Beschäftigung. Das wäre noch bis vor Kurzem eine Sache für James Bond gewesen. Doch dieser da ist sichtlich nicht Agent 007. „Und jenes Gerät da?“, begehren Sie zu wissen „…ist eben jenes GPS-Gerät, ohne welches es nicht geht. Wie im Film „Staatsfeind Nummer 1“ zu lernen, ist jeder Ort dieser schönen Welt mittels Funksignalen auszumessen und anzupeilen. Das kann man neben Überwachung auch zu Heiterem nutzen. Ich, Sie, wir alle können nicht nur entdeckt werden, sondern mittels Funk auch entdecken. Was übrigens die Schatzsuche ungemein erleichtert. Sie geben einfach hier die Koordinaten Ihres Zieles ein, die kennen Sie ja aus dem Internet. Und folgen den Anweisungen dieser Richtungsangabe, worauf Sie, wenn Sie auch nur über geringe Beobachtungsgabe verfügen, unweigerlich zum Schatz finden. Oder Sie wollen was verstecken. Dann nehmen Sie Ihren Cach und stopfen ihn zum Beispiel unter diese Wurzel. Sie registrieren die Koordinaten des Ortes und stellen Sie ins World Wide Web. Übrigens diese Geräte sind Klasse: So mancher Verpeilte findet so noch seinen Weg, zumindest geografisch.“

Immer weiter



Und da Sie in Gedanken stehen, will jener Geocacher weiter. Ein kurzer Gruß und jeder geht seines Weges, der eine vom GPS-Gerät gezogen, Sie vom Retriever, der an der Leine zerrt. Sie lächeln freundlich, noch etwas amüsiert, aber Sie wissen: Es wird auf Sie zukommen. Es kommt immer alles auf Einen zu, solang man unter Menschen lebt. Ausweichen ist zwecklos. Sie werden es tun. Irgendwann. Und Sie werden es „ganz witzig“ finden. Dann bringt es Eckhart mit, der immer alles ausprobiert, zum Wandertag. Und alle werden es „ganz witzig“ finden, einfach cool. Und bald werden es alle dabei haben. Und irgendwann, irgendwann wird es Probleme geben. Aber das wollen Sie nicht wissen und daran denken schon gar nicht. Zum Augenblicke möchten Sie noch sagen: „Wunderlicher Kerl“. Und eben dieser verschwindet gerade im Unterholz.

So mag jene wundersame Begegnung im Wald abgelaufen sein. Und Sie sehen, Ihre drei Vermutungen: Irrsinn, Science Fiction oder Schatzsuche sind nicht falsch. Denn ist von höheren Signalen angetrieben gewohnte Wege zu verlassen, nicht Irrsinn, sei er auch von leichter Art? Lehrt nicht Science Fiction, dass phantastische Geräte den Weg zu nie gesehenen Welten bahnen, seien es auch Büchsen unter Wurzel. Und endlich: Führt jenes Abenteuer nicht zu Verstecken, fernab von der vertrackten Welt unter Büsche und in Felsen?



Teil 2: Kinder, Kinder



Fragen Sie das Kind!



Was wir jeweils vom Geocaching hören, hängt vom Mundwerk dessen ab, der darüber spricht. Der Techniker wird uns berichten, wie all das funktioniert, der Moralist wird Risiken und Nebenwirkungen prüfen. Und wer alles über Geocaching kennt und sein Urteil fertig hat, behaupte ich, der braucht das Kind, das ihm berichtet. Und das Kind will spielen, unwichtig, ob es 10 oder 90 Jahre ist. Das Kind erzählt von all den Freuden, die Geocacher in die Wälder treiben, in Industriebrachen, Städte, Dörfer, in alle Outbags dieser Zeit und Welt.

Vielleicht, das mag schon stimmen, entsteht alles Unheil daraus, dass wir mit allem spielen müssen. Doch wir können es nicht lassen. Andererseits, was wäre, wenn das Spiel endete, wenn das Kind nichts mehr faszinierte? Wenn wir, den letzten Menschen gleich, schon alles wüssten, kennten und belächelten, wenn uns nichts mehr aus der Fassung brächte und uns jauchzen ließe?

Also warum dieses Spiel? Antwort: Suchen, Graben, Wühlen, Finden. So wie der Himmel haben die Tiefen der Erde uns stets angezogen. Schätze, das weiß jeder, werden, wird es recht getan, vergraben oder tief in Höhlen eingeschlossen. Geocaching schon als Wort verrät das. Denn es verbindet das griechische „geo“, also Erde, mit dem englischen „cache“, was geheimes Lager bedeutet und also das Ganze als große Schatzsuche ausweist. Dann als Verbum meint es Tätigkeit, sprich, das geheime Lager aufzuspüren.

Die Abenteuer des Unterholzes



Das ist nun eigentlich ein Abenteuer, limeted und light, aber immerhin. Da gilt es Wege zu verlassen und sich durchs Unterholz zu schlagen, hinabzuklettern oder auch hinauf, kurz, sich einen Weg zu bahnen. Da wird jeder ein Indiana-Jones. Das Kind sehnt sich nach unerforschter Welt, egal zu welcher Epoche sie gehört, damit es staunen kann. Das ist bekanntlich aller Philosophie Anfang. Am Ententeich mit Mami seine Finger in das Wasser halten, ist das eine. Unbeaufsichtigt über einen Wasserlauf zu finden, etwas anderes. Sich auf versicherungsgerecht gepolsterten Rutschen abgleiten zu lassen ist in Ordnung. Auf dem Hosenboden eine lehmverschmierte Böschung mitzunehmen, ist aufregend. Daheim den Spielkram in den Kinderzimmern nutzen, vertreibt die Zeit. Ohne Bewachung am Rand der Zivilisation zu spielen, ist wirklich cool. Und nehmen wir das Wasserplanschen, die supersicheren Spielplätze und die prall gefüllten Kinderzimmer ruhig einmal metaphorisch.

Was wird an unkorrekten Orten und nicht hinzunehmenden Verstecken alles ausgewählt! Es warnt schon mancher davor, was das noch alles werden soll: Bunker, verfallene Bergwerke, Industrieanlagen, still liegend oder in Betrieb, Privatgelände (zu betreten schlimmstes aller Übel!), die Tiefen der Gewässer sowie die Höhen und was nicht alles. Bringen sich da Geocacher und andere nicht leichtsinnig in Gefahr? Das Kind hört hin mit einem Ohr und macht sich auf den Weg, denn kein Amerika wurde gefunden und keine Karawane erreichte je ihr Ziel aus Vorsicht vor den Unabwägbarkeiten.

Je raffinierter, desto interessanter



Das Kind spielt. Und je raffinierter die Maschine, desto interessanter. Das funkt und weiß sich auszurichten nach unsichtbaren Koordinaten. Das liegt in der Hand und weist den Weg, der sich erst beim Gehen überraschend auftut. Das führt wie von Geisterhand an unbekannte Orte. Es braucht nur die Bereitschaft, überrascht zu sein. Man kann es ganz alleine tun oder mit anderen, auch wenn dann einmal der Streit ausbricht, wer das Ding wohl halten darf. Natürlich ist der Anführer, der mit dem Gerät in seiner Hand vorausgeht und die anderen führt.

Finden ist selbstverständlich erwünscht und inklusive und der verpasste Schatz ein Ärgernis, das wochenlang betrübt, packt man das Ganze richtig an. Mit Leidenschaft wird gespielt. Wer das nicht kann und missmutig nebenher trottet, wird am besten gleich zurück geschickt. Jedes Spiel braucht seine Regeln. Im Geocaching wird der Tausch gepflegt. Und noch ein Reiz: das Alte lassen und etwas Neues an sich bringen. Verstecken, verbergen, finden und enthüllen sind eines. Und dann eines für ein anderes erhalten. In der Regel kann man nehmen, was man findet und dafür etwas anderes hinzulegen. Regelrechter Tauschhandel ist da möglich. Das wird ins Logbuch eingetragen, wie jeder Weltendecker seine Schriften führt. Und damit nicht alles Raub wird, gilt das Ethos. Was man entnimmt, soll nicht durch Plunder ersetzt werden. Solch Rafferei ist weithin sehr verpönt. Es stärkt die Tugend und muss man nicht alles an sich reißen.

Tutanchamun- Supercache



Indiana – Jones ist Schatzsucher und Forscher in einem. Das geht? Das ging schon immer! Und jede archäologische Entdeckung versetzt in die Spannung einer Schatzsuche.
Howard Carter öffnete seinen Supercach – das Grab Tutanchamun, freilich zu seiner Zeit noch ohne GPS gefunden. Je schwieriger der Cach, desto lukrativer. Da braucht es vielleicht eine spezielle Ausrüstung? Da muss eine schwierige Aufgabe gelöst werden? Welche Chiffrenfolge gibt das Geheimnis preis? Wie tief soll ich hier graben? Wo hat man denn diesen Schatz verborgen. Da zeigt sich der Trapper, dem man nicht in seine Flinte pisst.

Freilich echte Wildnis ist nur schwer zu finden in unseren Breiten. Dem Kind ist das egal, es hat doch Phantasie! Eine geschickte Tarnung vermag den Urwald zu ersetzen. Natürlich braucht man dazu alle Kunst der Täuschung! Scheinverstecke schützen das Eigentliche und eine Abrissbrache vermag die Felsenkluft ganz passabel zu ersetzen. Mancher soll diesen Schatz am besten gar nicht erst entdecken. In der Wildnis unterwegs… Dort lauert ein Abgrund, dort wartet Raubzeug schon auf Indiana-Jones. Wer sich das nicht mehr vorstellen kann, soll es mit Geocaching lieber nicht versuchen. Es wäre besser, er suchte seine Brille unter der Sitzgarnitur. Dann bleibt nichts mehr als ein verzweifelter Zweck.

Übt eine finstere Gruppe im Tann zukünftige Revolten?



Der echte Abenteurer mag auch einmal Verdacht erregen. Ist er ein Spion, der unsere FDGO gefährdet? Übt eine finstere Truppe im Tann zukünftige Revolten? Versteckt da einer Diebesgut? Ein Wachmann kommt vielleicht auf abwegige Gedanken: Geht es um Drogen oder unstatthafte Güter? Da mag einer, beunruhigt, bei der Behörde einen Verdacht aussprechen und Zugriff fordern. Erfolgt der, grundlos freilich, gibt das eine bemerkenswerte Anekdote, die Geocachers Ansehen hebt.

Wie auch immer - so ein Spaß. No risk no fun! Heimlichkeiten gehören nun einmal dazu. Und geht dem Jäger dann die Flinte los, weil er auf Hirsche anzulegen meinte, jedoch den Geocacher traf, ist das fatal, spricht aber nicht gegen nächtliche Pirsch auf beiden Seiten. Es mindert auch der Ernst nicht den Reiz des Spiels, will das Kind in uns und wehrt sich, alles sicherer zu machen – und öder.



Teil 3: Dem Zögling nach traben



Nun hat das Kind, ob groß, ob klein, uns alle seine guten Gründe tunlichst aufgezählt. Es trabt davon und folgt der Spur zu seinem Schatz. Wir bleiben zurück und haben erst mal unsere Fragen.

Willkommen im Expertengremium!



Es fragt der Zivilisationsverweigerer, was nun diese Praxis wieder aus den Menschen macht.
Andere suchen Trumpf, um auszustechen. Ein Soziologe meldet sich zu Wort. Der Therapeut wird vorgezogen. Er redet davon, welche innere Bedrängnislage den Menschen nicht in Ruhe sitzen lässt.

Die Ärztekammer meldet aus dem Mund des Beauftragten schon einmal Bedenken hinsichtlich der Gesundheit an und schlägt den verpflichtenden Besuch beim Hausarzt vor.

Ein Politikaster redet sich mit den Folgen für die Gesellschaft in Rage und will, dem Gotte „Wahlergebnis“ heimlich huldigend, Geocacher stärker in die Pflichten nehmen.

Der Versicherungsexperte sieht Risiken und Renditen. Er schlägt eine allseits verpflichtende und natürlich nach Verdienst gestaffelte Geocachingversicherung vor.

Der Ordnungshüter will diesen illustren Zeitvertreib bewachen. Hier könne doch nicht jeder cachen, wo er will. Flankiert wird er von Advokaten, die einander widersprechend die Gesetze beuteln.

Und ein Sozialarbeiter bringt sich schon mal in Positur, den Schatzsucher unterstützend zu begleiten, im Hinterkopf ein Präventionsprojekt.

Ein Pädagoge fragt: „Ja, was soll denn daran pädagogisch nützlich sein“, denn nutzen muss, was Freude macht, der Entwicklung zum richtigen, zumeist korrekten, Menschen.

Doch hat der Geochacher schon sein Ziel und braucht kein zweites, das dem Pädagogen und all den Anderen erlaubt und sinnvoll scheint. Er will ja auch nichts werden, sondern etwas sein, nämlich unterwegs, und etwas finden. All dies genügt dem Pädagogen nicht. Er wünscht, dass dieser etwas werde und in der Tasche birgt er Entwicklungsziele nebst bedeutsamem Curriculum.

Wir treffen Herrn de Montaigne



Verlassen wir den aufgeregten Disput und besuchen erst einmal einen, der kein Pädaigogos ist, wohl aber ein freier Geist. Wir treffen Herrn Michel de Montaigne. Herr de Montaigne lebt auf seinem Schloss gleichen Namens in Frankeich und hier bevorzugt in seinem Turm. Dort pflegt er zu lesen, zu denken und zu schreiben. Obwohl Herr de Montaigne in seinem Turm physisch recht kleine Runde dreht, ist doch sein Geist bevorzugt weltweit und in allen Zeiten unterwegs. Täuschen wir uns nicht: Herr de Montaigne war und ist in Bewegung und dies in einer höchst bewegten Gegenwart.

Denn gerade sind seine katholischen und protestantischen Landsleute dabei, sich gegenseitig höchst überzeugt zu massakrieren, im jeweils anderen den Ketzer wissend.
Und wo sich die Parteien mit bestem Wissen (natürlich stimmt das eigene!) das Messer an die Kehle setzen, da übt und betreibt der Herr de Montaigne in essayistischem Stil die Skepsis als hohe Schule der Philosophie. „Was weiß ich?“ – das ist sein Wahlspruch und darüber das Symbol der Waage. Abwägendes Denken, das stets das Übersehene sucht - dem geht Herr de Montaigne nach und dabei ist diesem Philosoph wirklich kein Gegenstand zu doof, sei es die eigene Person oder das Traben eines Zöglings.

Herrn de Montaignes Brief



Denn Herr de Montaigne hat einen Brief geschrieben an eine adelige Freundin, die jüngst ihr Kind gebar. Und da schreibt er nun hinein, was Erziehung seiner Meinung nach zu tun und auch zu lassen hat und dies nun höchst überzeugt, sodass auch gleich zu spüren ist: Es geht um Herzensangelegenheiten. Da schreibt der Herr de Montaigne und sitzt auf einem nicht unbequemen Scherenstuhl. Und was er schreibt, das lese ich, fünfhundert Lenze später, mit Erstaunen, denn bei Herrn de Montaigne ist Erziehung ganz beträchtlich in Bewegung:

„Es ist gut, wenn der Lehrer den Zögling vor sich hertraben läßt, um angesichts seiner Gangart beurteilen zu können, wieweit er sich zur Anpassung an dessen Kräfte zurücknehmen muß. Verfehlen wir hier die rechte Proportion, verderben wir alles. Sie zu finden und sich dementsprechend zu verhalten, ist eine der schwierigsten Aufgaben, die ich kenne: Nur eine hohe und ungemein starke Seele vermag sich auf die noch kindliche Gangart des Zöglings einzustellen und ihm zugleich als Schrittmacher zu dienen…

Und das in eine Zeit hinein gesagt, in der der aufgeregte und sogenannte hyperaktive Schüler die Gemüter vieler braver Leut‘ bewegt, in unsere nämlich. Sagt der: Ein Zögling habe umher zu traben und schlimmer noch, der Pädagoge hinterdrein. An dieser Stelle: Um unnütze Dispute zu unterbinden. Der Zögling mag männlich oder weiblich sein und ebenso die pädagogische Begleitkraft Frau und Mann. Dies sei gesagt, damit Wortgender nicht den Text verödet.

Traben ist besser als pauken



Es traben also bei Herrn de Montaigne zwei. Und dies aus gutem Grund, denn erst in der Bewegung seines Zöglings vermag der Pädagoge zu entdecken, wie es um den Schüler steht, und nehmen wir das Traben im weiteren Sinne über die Bewegung eines Körpers auch als Regung seiner Seele und des Geistes.

Und weil Herr de Montaigne einen schlecht gelüfteten und zu Frontalbelehrung gefügten Raum mit galligen Be-Lehrern für allzu enge hält, schlägt er, schon wieder ein Skandal, die ganze Welt als Lernfeld vor.

„Daher ist der Umgang mit Menschen für die Bildung eines eigenen Urteils äußerst wichtig, ebenso der Besuch fremder Länder…“ und „ … Aus dem Umgang mit Land und Leuten gewinnt die menschliche Urteilskraft einen ungemeinen Klarblick. Wir sind alle in uns selbst eingezwängt und hineingekrümmt und unser Blick reicht nicht weiter als bis zur Nasenspitze. Sokrates wurde gefragt, was seine Heimat sei. Er antwortete nicht: ‘Athen‘, sondern: ‘die Welt“. .., und damit auch Wald und Wiesen, Brachen, Märkte, Privatgrundstücke und der öffentliche Raum, in Häusern zu Gast oder zu ungebet‘ner Stunde in - aus und in dem mag der Zögling lernen. Er wird lernen, wenn auch der Lehrer in der Nähe ist und ihn, die Zügeln ziehend oder locker lassend, das Denken lehrt und das Begreifen, Urteilen und Entscheiden.

„Der Zögling soll seine Lektionen weniger hersagen als in die Tat umsetzen: Durch seine Handlungen übt er sie am besten ein.

Der Aufschrei des Elternbeirates



Da schreit der Elternbeirat: „Nicht mit unseren Kindern!“. Denn heutiger, vielfach besorgter Eltern tiefster Wunsch ist oft, des Sprösslings Tank im Klassenraum und im Dreiviertelstundentakt reich mit Kompetenzen und mit Lernstoff aufzufüllen, damit er wie der elterliche PKW zu Hause recht rasch von Null auf Hundert kommt. So allein, meinen viele, startet er korrekt zum Wohlstand und zum rechten Leben durch.

Das mag so sein, doch mit Verlaub, so denkt der Herr de Montaigne nicht. Und sagt etwas, was sorgenvollen Gemütern wohl das Haar zu Berge stehen lässt:

„Unter freiem Himmel mitten in Gefahren
Sich zu tummeln, möge man ihm nicht ersparen.

Es genügt nicht, daß man ihm die Seele stärkt, man muß ihm auch die Muskeln stärken… Die Gewöhnung an das Ertragen von Strapazen ist gleichzeitig Gewöhnung an das Ertragen von Schmerz: Anstrengung bildet Schwielen gegen Wehleidigkeit… Ich will, daß Hand in Hand mit der Formung der Seele die der äußeren Haltung, des gesellschaftlichen Auftretens und der körperlichen Gewandtheit einhergehe. Man erziehe nicht eine Seele, man erziehe nicht einen Körper – man erziehe einen Menschen.


Im Übrigen mag uns, auch Sie, beruhigen: Nicht Härtetests, Boot camp oder sadistische Missionen will Herr de Montaigne, sondern, den Zögling auf- und heraus fordern, um damit dem, was eben auch geschehen kann, wenn Muttern oder Vattern mal nicht da sind, Gelegenheit geben. Es muss erfahren werden, was passiert, wenn mal Mobilfunk aussetzt, das Deo aufgibt oder nichts als kaltes Wasser da ist, um sich abzuwaschen oder man gar einen Menschen trifft, den man nicht kennt.

Es geht um nichts weniger als Bildung



Denn ein gebildeter Zeitgenosse ist einer, der auch ohne Nasszelle denken, leben, lieben und sich freuen kann. Der vieles kennt, was er sich zu rechter Sunde zu erzählen weiß und damit etwas hat, womit er sich behelfen kann. Gebildet ist einer ,der, das höchste der Gefühle, dann auch noch gute Haltung bieten kann. Man kommt, und Herr de Montaigne würde dies heute nicht von sich weisen, nicht weit, hat man allein im Kopf, dass untergeht, wer nicht den besten aller Jobs erhält. Dem homo laborans sind Beine zu machen, der meint, es erfülle sich des Lebens Fülle, wenn er den besten aller denkbaren Löhne zu Weib und Kind und Hund oder ins Singleapartement zu sich nach Hause trägt und der dazu nicht mehr zu bieten hat als antrainierte Rezepturen.

„Im übrigen muß meine Erziehungsweise mit zwar strenger, aber freundlicher Güte betrieben werden, nicht wie es heutzutage geschieht: Statt den jungen Menschen das Studium anziehend zu gestalten, verbreitet man in Wahrheit nur Furcht und Schrecken…Nichts läßt meiner Meinung nach eine wohlgeartete Natur schlimmer entarten und abstumpfen. Wenn ihr wollt, daß der Zögling Züchtigung und Schande fürchte, ihn dagegen abzuhärten – härtet ihn ab gegen Schweiß und Kälte, gegen Wind und Sonne und die Gefahren des Lebens, die er verachten lernen muß. Entwöhnt ihn aller Weichlichkeit, aller Verzärtelung beim Schlafen und Sichkleiden, beim Essen und Trinken… und betont noch einmal: „Ich will aber keinesfalls, dass man den Knaben, um all das zu erreichen, in eine Lehranstalt einsperre. Ich will nicht, daß man ihn den schwarzgalligen Anwandlungen eines tobenden Schulmeisters überlasse. Ich will nicht, daß man seinen Geist verschandele…“

--- Und das Ganze auch noch vergnüglich…---

Und: „Der Ort ihrer Förderung sollte den Zöglingen auch der ihres Vergnügens sein: Die ihnen heilsamen Speisen muß man versüßen, vergällen aber die, welche ihm schaden. Oder: „ Um auf mein Thema zurück zu kommen: „Es gibt nichts Beßres, als den Zöglingen Lust und Liebe zum Studium zu erwecken, sonst züchtet man mit Büchern beladne Esel heran, die man mit Rutenschlägen dazu zwingt, ihre Schultaschen voll Wissen ständig mit sich herumzuschleppen.

„Ob Zimmer oder Garten, ob Tisch oder Bett, ob Einsamkeit oder gesellige Runde, ob Morgen oder Abend – zum Studium soll unser Zögling jede Stunde gleichermaßen dienlich, jeden Ort gleichermaßen tauglich finden; denn die Philosophie, die als Bildnerin von Kopf und Herz seine hauptsächliche Lehrmeisterin sein wird, besitzt das Vorrecht, überall Zutritt zu haben.


Und da haben wir’s: Allein Draußen is gar nischt! Denn Menschen erleben und erfahren. Sie haben sinnliche Eindrücke und geben, wie etwa naturgemäß das Tier, sich mit dem Strom des Eindrucks nicht zufrieden. Der Geist will Erlebtes in Bedachtes überführen. Der Geist ist stets dabei, sei es als Neugierde, die auf ein Kommendes aus ist, sei es Aufmerksamkeit, die das Gegenwärtige begehrt oder sei es Erinnerung, die zurückgreift und uns schenkt, was wir erzählen können – uns selbst und anderen.

Könnte Geocaching Bildung sein?



Schon an dieser Stelle: Dass im Geocaching all das steckt, macht es verdächtig, auch Bildung zu sein. Neugierig auf den Weg achten, den Schatz ( was immer es auch ist) vermuten, aufmerksam bleiben, wohin man tritt und was sich da herum so regt, und am Ende wieder zurück zu sein und etwas zu erzählen haben – ohne dies ist Geocaching nichts. Tritt nun die Philosophie herzu, dann beginnt für den Herrn de Montaigne so recht erst Bildung. Was das denn sei, das gibt der Herr sogleich zu bedenken:

„Man flöße seinem Geist eine tüchtige Neugierde ein: Allem gehe er nach, auf alles, was um ihn her bemerkenswert ist, merke er: auf ein Gebäude, einen Springbrunnen, einen Menschen, ein altes Schlachtfeld, den Ort, an dem Cäsar oder Karl der Große vorbeikam.
Zum Ersten also Neugier, ist auch, Bereitschaft zu erstaunen und zu Gehen…

„…Wer sich aber wie auf einem großen Gemälde das große Bild unserer Mutter Natur in ihrer vollen Majestät vor Augen hält, wer in ihrem Antlitz ihren unendlichen, sich ständig wandelnden Formreichtum liest,…der schätzt die Dinge nach ihrer wahren Größe ein.
Und das, scheint mir, will Herr de Montaigne auch auf menschliche Angelegenheiten bezogen wissen. Zum Zweiten also etwas zu Erleben.

Warum die Bienen ausfliegen…



„ …Die Bienen holen sich hier- und dorther aus den Blumen ihre Beute, aber daraus machen sie Honig und der gehört ihnen voll und ganz: Das ist kein Thymian mehr, kein Majoran. So soll auch der Zögling alles, was er anderen entlehnt hat, sich anverwandeln und zu einem voll und ganz ihm gehörenden Werk verschmelzen: zu seinem eigenen Urteil. Auf nichts anderes, als es zu bilden, heben seine Erziehung und die Mühen seines Studiums ab …
Zum Dritten also, denkend verdauen und in Erfahrung überführen.

„…Man leite den Zögling … an, mit seinem Wissen, sobald er es erworben hat, zurückhaltend und haushälterisch umzugehen und sich keineswegs über die Dummheiten und Klatschgeschichten zu entrüsten, die in seiner Gegenwart vorgebracht werden, denn es ist eine ungehörige Wichtigtuerei, an allem Anstoß zu nehmen, was nicht unserem Geschmack entspricht. Er begnüge sich damit, sich selbst zu bessern, und er vermeide den Anschein, daß er den anderen all das vorwerfen wolle, was er zu tun sich versage, und daß er sich von den landläufigen Gepflogenheiten abzuheben versuche…Am allerwichtigsten aber: Man lehre ihn, vor der Wahrheit die Waffen zu strecken und sich ihr zu ergeben, sobald er ihrer ansichtig wird – ganz gleich, ob sie bei seinem Gegner oder durch Nachprüfung bei ihm selbst zum Vorschein kommt…Man möge ihm klarmachen, daß das Eingeständnis eines von ihm in der eigenen Argumentation entdeckten Fehlers, auch wenn nur er selbst ihn bemerkt hat, Urteilskraft und Ehrlichkeit beweist – die beiden vornehmsten von ihm anzustrebenden Eigenschaften, daß Starrköpfigkeit und Widerspruchsgeist hingegen ordinäre Verhaltensweisen sind, die sich vorwiegend bei den niedrigsten Geistern finden…
Zum Vierten also der Umgang mit dem, was ich mir erwarb, dazu Tugend und Urteilsvermögen.

Haken schlagen



Die kleinsten Wörter sind oft ein Anker für den Geist. Irgendwo im Text verborgen hakt doch plötzlich sich das Denken fest und weicht vom Hauptpfad ab. So erging es mir eben mit dem Wort „landläufig“, wie es dort in eben genanntem Satze steckt: „Er begnüge sich damit, sich selbst zu bessern, und er vermeide den Anschein, daß er den anderen all das vorwerfen wolle, was er zu tun sich versage, und daß er sich von den landläufigen Gepflogenheiten abzuheben versuche…“ Und mag hier landläufig auch für „üblich“ stehen, so schlägt im Haken sich der Geist und meint auf einmal: Laufen über Land. Genau! Wie es die Geocacher tun. So könnte ein Lauf über das Land auf gute Wege führen, zu manch Landläufigem Distanz zu finden und eben darüber nachzudenken. Ganz im Sinne des Denkers Nietzsche, der festen Wissens war, nur der Gedanke sei ernst zu nehmen, der tatsächlich auch erlaufen ist.

In summa:



Und nun noch, wie als Zusammenfassung:
„Was Wissen ist und Nichtwissen (und dies zu erkennen, muß doch das Ziel des Lernens sein); was Tapferkeit besagt, was Mäßigung und was Gerechtigkeit; welcher Unterschied zwischen Ehrgeiz und Habsucht besteht; zwischen Knechtschaft und Gehorsam, zwischen Zügellosigkeit und Freiheit, woran man die erfüllte, die wahre Zufriedenheit erkennt, wieweit man den Tod, den Schmerz und die Schande zu fürchten hat,
und auf welche Weise welche Mühen
man ertragen sollte oder fliehen

welche Triebfedern unser Handeln bewirken und was die Ursache so vieler unterschiedlicher Regungen in uns ist…“ “…Ich teile Plutarchs Überzeugung, daß Aristoteles seinen großen Schüler Alexander weniger mit der Kunst der Syllogismusbildung oder den Prinzipien der Geometrie aufgehalten als ihm die guten Regeln beigebracht hat, die zu Tapferkeit und Heldenmut anleiten, zu Hochherzigkeit und Mäßigung sowie zu jenem Selbstvertrauen, das die Furcht besiegt, dieserart gerüstet schickte er den Jüngling los, mit leidigen dreißigtausend Mann zu Fuß, viertausend Pferden und zweiundvierzigtausend Talern die Welt seiner Herrschaft zu unterwerfen…


Und bitte sehr, war dieser Alexander nicht ein großer Geocacher? Vielleicht, so mag man überlegen, war seine Suche etwas allzu breit gefasst, denn Alexander suchte nicht den Schatz auf dieser Erde sondern die ganze Erde als seinen Schatz. Doch führt uns dies Gespräch, wie auch beim Geocaching möglich, auf Abwege. Ich kehre daher schnell aus Makedonien nach Schloss Montaigne zurück.

Vom Erstaunen



Denn was uns der Herr auf Montaigne nennt, wozu die ganze Lernerei und Philosophia da sein soll, ist all das nicht und eben gerade im Freien und auf dem Weg zu finden, also unterwegs? Wo immer Neues unserm Geiste Nahrung bietet und ihn nicht zur Ruhe kommen lässt? Wo immer neue Abenteuer und Fundstücke uns in Erstaunen versetzen und zum Fragen reizen und wir durch Begegnungen mit Leblosem, Pflanzen, Tieren, Menschen uns Tugenden erwerben können? Wo der bewegte Körper auch das Geistesleben in Bewegung setzt? Ich meine ja. Doch ob die oben genannte Expertenschar dies gelten lässt, es sei dahin gestellt und im Augenblicke ihr Problem. Man mag auf Diskurstagungen angeregt kommunizieren, die Geocacher ziehen derweil los und weiter…

Nun hat der Herr de Montaigne uns auf einen Weg gebracht und wir brechen, für die Auskunft dankend, gleichfalls auf. Es bleibt, am besten unterwegs, zu tun, was der Herr Montaigne selbst vorschlägt, gleich Bienen über seine Gedankenwiese auszufliegen, zusammenzutragen und alles zu verdauen und damit auch zu schauen, was dies für unser Thema vielleicht auszuweisen hat.



Teil 4: Das Kind spielt, der Zögling trabt, der Lehrer folgt



Ach ja – die Blütenlese, das Verdauen und die Frage, was das alles nun mit Geocaching zu tun haben soll. Zur Überlegung mag dienen zusammenzutragen, was Herr de Montaigne uns geraten hat und es auf den Punkt zu bringen.

Erstens:


Da wäre also der Weg. Heraus in Freie! Unterwegs Schüler und auch Lehrer. Dabei trabt erster vor letzterem her. Also traben sie gemeinsam - oder treffen sich zur rechten Zeit, die Lage zu besprechen.

Zweitens:


Der Ort, sich recht zu bilden, ist die Welt und alles, was dort begegnen und widerfahren kann,
um sich das „große Bild von Mutter Natur vor Augen zu halten“ aber auch der Umgang mit Menschen und damit, was sie denken, treiben oder lassen. Oder frei nach Geheimrat Goethes Osterspaziergang (beliebter Lernstoff):

…Denn sie sind selber auferstanden:
Aus niedriger Klassen dumpfen Gemächern,
Aus Zensur- und Zeugnisbanden,
Aus dem Druck von Fibeln und Fächern,
Aus Dreiviertelstunden quetschender Enge,
Aus Penälerstrebens ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.


Drittens:


Rechtes Wissen ist geprüft und vorläufig – eben bis man eines Besseren belehrt wird. Und es ist verdaut. Im rechten Prüfen, Urteilen und Tun zeigt sich, zu was der Zögling sich das Erfahrene anverwandelt hat, nicht darin, immerfort das Geschluckte herauf zu würgen und wieder zu käuen. Das wird erreicht durch häufigen innigen Verkehr mit der Dame Philosophia.

Viertens:


Auf dem Weg sein braucht Gelegenheiten der Prüfung: Gefahren, Abenteuer, Plessuren, Enttäuschungen - Gelegenheiten also, Aufmerksamkeit, Achtsamkeit zu entwickeln und „Wehleidigkeit“ abzulegen. Erziehung sei Erziehung des „ganzen Menschen“. Das darf, muss vielleicht sogar weh tun.

Fünftens:


Also auch das ganze Programm! Und das bedeutet für den Geist: Umfassende Ertüchtigung zwischen Neugier und intellektueller Redlichkeit. Ich erinnere: Vor der Wahrheit sind die Waffen zu strecken. Fehler und Irrtümer sind nötig, zu sehen und anzuerkennen auch vor anderen. Und das ist etwas anderes als die Produktion erwünschten Verhaltens. Wozu gehört, und besser ist es nicht, als es Montaigne tut, zu sagen: „was Tapferkeit besagt, was Mäßigung und was Gerechtigkeit; welcher Unterschied zwischen Ehrgeiz und Habsucht besteht; zwischen Knechtschaft und Gehorsam, zwischen Zügellosigkeit und Freiheit, woran man die erfüllte, die wahre Zufriedenheit erkennt, wieweit man den Tod, den Schmerz und die Schande zu fürchten hat…welche Triebfedern unser Handeln bewirken und was die Ursache so vieler unterschiedlicher Regungen in uns ist.“

Da capo: der Zögling, der Lehrer und zwei Kinder



Da sind also zu viert unterwegs: der Zögling, gerade seine Entdeckungen verdauend, und der Lehrer - hinschauend, wie der Zögling sich und seinen Geist bewegt - plus zwei Kinder, je eines in jedem, die sich des Geschehens erfreuen. Das Kind übrigens, das muss wach sein im Lernenden, aufmerksam, neugierig und auf Aufregendes aus, aber gleichfalls auch im Lehrer, damit sein Lehren auch ein Spiel sei und nicht nur Pflicht und Auftrag. Und alle sind zusammen unterwegs beim Geocaching. Kann also Geocaching etwas sein, bei dem sowohl der Zögling, der Lehrer, ihre beiden Kinder und Herr de Montaigne wohl aufgehoben sind? Das alles hört sich doch nach einem Plan für draußen an!

Doch Vorsicht zuerst. Denn wer über dem Einsatz von Geocaching sinnt und es damit für andere, den Zögling etwa, denkt, hat, so meinen wir, sich an das zu erinnern, was daran Freude macht. Und das hat unser Kind ganz oben deutlich ausgesprochen. Traktiert man also zweckhaft wieder Menschen mit dem Curriculum und öffnet nach dem Versprechen auf viel Freude den Koffer, um die Folterwerkzeuge zu zeigen, so ist abzusehen, dass man alleine in der Landschaft steht und sich, zu Recht, zum Narren oder Ärgerem macht. Davor können Fragen und jenes Abwägen schützen, das skeptisch auch der Herr de Montaigne pflegt.

Herumliegen und gefunden werden – vom Abstand



Ganz sträflich kann es werden, klebt sich der Lehrer an den Zögling an und weicht den Weg nicht von der Seite. So ist der Abstand zu bedenken, den unser Zögling haben soll. Doch soll der Brave, ist er gestürzt und liegt herum, doch endlich auch gefunden werden. Unwichtig ist, ob der gelungene Unfall am Körper oder auch im Geist geschieht. Nähe und Distanz, beim Traben von Bedeutung, sind ständig auszumessen dem Vermögen nach und im Wunsch nach freiem Gang. Denn so meinen wir, der Zögling beim Geocaching soll nicht nur schleichen, rennen, kriechen oder latschen – alles möglich - sondern vor allem auch den freien und aufrechten Gang üben. Wozu gehört, dass nicht beständig einer ihm das Händchen hält. Doch sei der Lehrer da, gerät der Zögling in Not oder ins Fragen.

Und was Herr de Montaigne sagt, gilt hier den Herrn und Damen Pädagogen: „Nur eine hohe und ungemein starke Seele vermag sich auf die noch kindliche Gangart des Zöglings einzustellen und ihm zugleich als Schrittmacher zu dienen…“ Bringen wir also die Jungen auf den Weg, sollten wir Ältere doch selbst im weitesten Sinne recht gut zu Fuße sein und mit Lust dabei, auch unsere Lehren und Freuden suchend.

Was weiß ich?



„Was weiß ich?“ Diese Frage hält offen. Warum sich nicht einmal vom Zögling eine Lehre erteilen lassen? Denn eins ist klar, sind viele gemeinsam unterwegs, hat doch jeder eine andere Geschichte zu erzählen - solange Klarheit herrscht, wer führt und wer eher auf dem Wege war. Beim Geocaching gibt es die eine Richtung aber viele Wege. Es scheint geraten, dass sie der Zögling auch mit gezückter Waffe selbst rutschen, stolpernd, fluchend, weinend und lachend finden darf. Mag alles nur nach Abenteuer riechen. Da wäre zu lernen: Das Gerät in der Hand sagt nichts darüber, ob man über trockenes Land oder durch Morast geht oder gar Schluchten überqueren muss. Kurz: Bei aller Bewunderung für die technische Innovation – das Gerät ist und bleibt blöd. Und so mangelt es, wie immer schon, bei allem Wissen doch an Denken.

Wo übrigens viele Geschichten erzählt werden dürfen, da setzt sich eine einzelne schlechter durch und übernimmt die Herrschaft. Es geht duldsam unter uns zu, weil jede die andere an ihrer Machtergreifung hindert. Auch das ist Skepsis vom Feinsten. Und das ist nichts für Doktrinäre und Ideologen mit fetter Wahrheit und dem wirklich Richtigen im Verkaufsgepäck.

Dass einer etwas lernen soll, scheint uns ein guter Wunsch, solange wir selbst etwas lernen wollen und neugierig bleiben: auf Wege, Themen, Ereignisse. Rasch ist alles verdorben, gleicht Geocaching dem Laborversuch. Auf der einen Seite finden sich dann ahnungslose Probanden. Laborratten gleich irren sie umher und suchen vorgefertigte Aufgaben zu lösen.
Erfolg und Misserfolg werden sodann vom verborgenen Expertenteam registriert und ausgewertet - natürlich mit Evaluation und Notenskalen von Eins bis Sechs. Fragen wir uns also: Was wollen wir von unseren Jungen und weshalb eigentlich schicken wir sie los zu unserem Belieben? Oder worum geht es sonst.

Nach guter Wegstrecke lockt das Symposium



Es soll beim Geocaching etwas geschehen, aber mit offenem Ausgang, wie er der Freiheit eignet. Hinterher nach guter Wegesstrecke bei gutem Essen geschieht das Symposium. Da sitzen nicht die Lehrer-Götter und beraten über das Geschick der sterblichen Idioten oder Narren, sondern Menschen mit Neugier aufeinander und auf das, was alle zu sagen oder zu schweigen haben. Hinzu geladen ist die Dame Philosophia zu aller Gäste besonderem Vergnügen.

Es kann beim Geocaching, dass Schüler und der Lehrer gemeinsam unternehmen, um alles Mögliche gehen, solange erlaubt ist, dass sich der Zögling auswählt, was das seine ist und was er gerade verdauen kann. Am besten scheint mir, dass ihrer mehrere zusammen auf dem Wege sind, um sich und miteinander zu erfahren. Zudem erscheint am Ende von Interesse:

- Was sich ereignete unterwegs, auch miteinander…
- Was mancher dachte, fragte, sagte oder tat…
- Welche Schätze, geistig oder materiell, man fand und brachte…
- Welche Wunden und Blessuren man empfing (der Ehre halber oder um zu hören, wo noch zu üben ist)…
- Wo Streit, Abwägen, Entscheidung und Urteil den Weg bestimmte und wie man sich gemeinsam fand oder auseinander ging…
- Was aus den Ereignissen folgt, welche Schlüsse nun zu ziehen sind, was zu bedenken bleibt und welche Fragen offen sind…



Teil 5: Kann man vielleicht so machen – ein Gespräch



So, meinen wir, kann man Geocaching einmal versuchen, verspielt, herausfordernd, endend im Gastmahl und im philosophischen Gespräch.

Sagt der Eine:
Das haben wir auch schon einmal getan.

Sagt der andere:
Doch wo und wann?

Sagt der Dritte:
Erzähl doch mal.

Einer:
Es war 2012 in Volkenroda. Da liegt ein wieder aufgebautes Kloster (was von ihm übrig blieb), zerstört im Bauernkrieg und daher schon von seiner Historie für Luther-DenkWege gut geeignet. Bei Mühlhausen ist es und dort war ja der Bauernkrieg sehr stark im Gange. Der Müntzer hat geredet und seinen Bund geschmiedet. Der Luther in Wittenberg wider gegen den Müntzer gewettert. Volkenroda, ein reiches Zisterzienserkloster einst, wurde 1525 in Schutt und Asche gelegt von den Bauernhaufen. Dank großer Anstrengungen wurde in jüngster Zeit der Ort erneuert und zu einem besuchenswerten Tagungsort nebst zwei schönen Kirchen, einer alten aus der Romanik und einer neuen, dem Christuspavillon.

Zweiter:
Und mit wem und warum wart ihr dort?

Einer:
Mit der Regelschule aus Kranichfeld, vom 28. Februar bis 4. März. Zwei siebte Klassen.
Und wir hatten die Idee, am Dienstag mit Geocaching draußen zu sein.

Dritter::
Fiel das vom Himmel oder woher kam denn die Idee?

Einer:
Ich glaube, da spielte manches eine Rolle: Wir hatten Freude daran, diese vielbesprochene Sache einmal selbst auszuprobieren, auch in Zusammenarbeit, denn wir waren zu Dritt beim Leiten des Treffens. Dann dachten wir daran, was es bedeutet, den ganzen Tag zu sitzen und wollten die Schüler in Bewegung bringen und meinten, das ließe sich ganz gut mit unserem Thema verbinden, der Lutherey.


Zweiter:
Und, hat es sich erfüllt?

Einer:
Das vielleicht später. Ich will erst etwas dazu sagen, wie wir es machten. Also erst einmal:
Wir waren wirklich gespannt, ob es gehen und die Schüler gehen würden und hatten selber viel Freude darauf. Das scheint mir wichtig. Ein wenig Sorge hatten wir wegen der Technik, da gibt es manches zu beachten und vieles kann schief gehen. Ich erzähle es gleich. Eine von uns hatte sich gründlich mit der Sache beschäftigt und die GPS-Geräte ausprobiert. Anders geht es nicht, ich meine ohne einen mit Sachverstand. Es macht wenig Sinn, die Sache ohne Kenntnis selbst erst beim Einsatz mit den Schülern auszutesten. Das geht wohl schief.

Dritter::
Da scheint die Technik je gehörigen Raum einzunehmen bei der Sache. Was bleibt da übrig für den Rest?

Einer:
Das stimmt, Geocaching ist ohne diese Technik nicht zu haben. Sonst macht man besser gleich eine Schnitzeljagd oder geht einfach spazieren. So ist die Sache, eben technisch und wer das nicht leiden mag, soll’s lassen.

Zweiter:
Was schwer ist, weil es inzwischen alle machen.

Einer:
Das sollte kein Kriterium sein. Auch wenn es alle machen, machen es noch lange nicht alle gut. Der Trend gebiert nebst manchem Guten doch zumeist Monster und Kümmerlinge.
Voraussetzungen sind, das meine ich, Spaß daran zu haben, sich auszukennen und offen zu sein für das, was geschieht. Doch damit das Ganze nicht im ersten Teil schon im Fiasko endet, soll man die Technik kennen und beherrschen.

Dritter::
Ich meine es noch anders: Erdrückt der technische Aspekt nicht den ganzen Rest des Anliegens, heißt, geht es nicht im Ganzen doch von A bis Z um Spielerei mit Apparaten?
Oder anders: könnte man es nicht auch ohne Technik haben?

Einer:
Ja, was denn haben? Die Spielerei ist doch ein Hauptaspekt. Was ist denn gegen Spiele einzuwenden? Deswegen wollen es doch viele machen und Jugendliche gerade: Man spielt an Technik, lässt sich jedoch nach draußen führen, wohin man sonst eher murrend geht.
Man findet unterwegs so manches. Das hatte bei uns, dazu gleich, mit Luther zu tun, man ist zusammen und entdeckt unterwegs auch noch so allerlei. Dann endlich kann man darüber reden. Das ist der Sinn der Sache. Für mich, der ich an Technik so wenig Interesse habe, bleibt der Rest. Und die Verantwortung für Apparate gebe ich gerne ab. Hauptsache, einer nimmt sie an und kümmert sich.

Dritter:
Na dann…

Einer
In einem hast du Recht: Ich würde es nicht der Technik wegen machen. Für mich ist die nur ein Vehikel.

Zweiter:
Das wird der eine oder andere anders sehen.

Einer:
Von mir aus. Ich erzähle hier, wie wir es machten. Und beginne am Anfang.
Wir trafen uns zu dritt schon einen Tag zuvor. Da gab es allerlei zu tüfteln. Erstens machten wir uns mit den Geräten noch einmal vertraut, einer übernahm die Verantwortung, die Koordinaten einzugeben und zu achten, dass sie funktionieren. Die anderen kümmerten sich um die Caches.

Die Schüler sollten in vier Gruppen gehen, in jeder Gruppe jeweils vier bis fünf. Nun ist es wichtig, dass unterwegs die Gruppen nicht in- und übereinander fallen, auch nichts zerstören, was auch die nächste Gruppe finden soll. Wir planten daher zwei Wege, die jeweils im weiten Kreis zum Anfang zurück führten. Auf jedem Weg fünf Caches oder Stationen. Auf jeden dieser Wege schickten wir zwei Gruppen. Gemeinsam war ihnen der Start beim Tagungshaus. Dann aber liefen sie in entgegengesetzte Richtung, würden sich also höchsten einmal begegnen, wenn überhaupt.

Dritter::
Das fängt ja schwierig an.

Einer:
Ist es auch. Es braucht einen guten Plan. Wir haben viel aufgemalt und aufgeschrieben, um uns selber nicht zu verwirren. Wir rechneten damit, einen halben Tag zum Vorbereiten zu brauchen.

Zweiter:
Welch ein Aufwand!

Einer:
Ja ist es. Ohne den geht es kaum. Aber wir hatten schon beim Vorbereiten Freude daran, waren gemeinsam zugange und haben uns einen Spaß gemacht, uns auch Schwierigkeiten auszudenken. Ich habe ja gesagt, als Pflichtmethode wird sich das Ganze nicht bewähren.

Dritter::
So und wie nun kamen die Caches an ihren Ort?

Einer:
Wir sind losgezogen und haben sie versteckt, also die 20 Caches, viermal fünf auf beiden Wegen und dabei gleich einen schönen Spaziergang gemacht. Denn die Landschaft ist schön und abwechslungsreich.

Zweiter:
Augenblick. Ich komme nicht nach. Wieso denn zwanzig Caches?

Einer:
Wir wollten nicht, dass beide gegenläufigen Gruppen auf demselben Weg jeweils eigene Caches haben, es waren Arbeitsblätter dabei und Dinge auch mitzunehmen. Und da braucht jede Gruppe ihres.

Zweiter:
Und wie sah so ein Cach denn aus?

Einer:
Es waren kleine Filmdosen, die Aufgaben und Denkanregungen zu Luther enthielten.
Ich kann dann gleich etwas zum Inhalt sagen. Wir wollten zum einen, dass sich die Schüler an schon Gehörtes erinnern und es noch einmal aus anderem Licht bedenken. Zudem war uns wichtig, dass die Schüler miteinander reden und nachdenken. Und so sahen unsere Caches aus.

Dritter::
Und das würde mich interessieren: Hat es geklappt?

Zweiter:
Also ich habe da so meine Zweifel: Wenn Jugendliche miteinander sind und unterwegs, ob die dann miteinander denken und bereden, was da gefragt ist…

Einer:
Es stimmt, das muss ich sagen: Nicht alle haben das getan. Viele haben sich doch einfach an anderem Gespräch und auch am Weg erfreut, sich den Aufgaben nur kurz zugewandt, sie mitgenommen, um sie auf dem Weg zu besprechen und es dann doch nicht, nur kurz oder bei weitem nicht mit allen zu besprechen. Hier waren unsere Erwartungen wohl ziemlich hoch. Zumal die Jugendlichen vielfach ja nicht wissen, was es heißt, miteinander offen und konzentriert zu reden, noch nicht einmal drinnen, unter unserem Dabeisein. Andere wieder haben sich besprochen und auch vieles an Gedanken mitgebracht. Auch war der Weg ja spannend: Technik, Suche, Tiere, Landschaft. Viele haben dann davon erzählt und auch das Miteinander draußen. Da gab es anderes zu bereden.

Zweiter:
Also kann man das Thema dann vergessen. Was soll das sein, wenn der das eine tut und jener etwas anders, wenn das, was alle zu tun haben, nur mancher tut. Was ist dann mit der Disziplin zum Thema und zur Aufgabe?

Einer:
Was du sagst, das stimmt. Doch nur im Kontext des Klassenlabors. Da kann man immer wieder kontrollieren und darauf drängen, dass alle sich ums selbe kümmern.

Dritter::
Aber Zweiter, auch dort steht es nicht in deiner Macht, dass alle sich in gleichem Maß und mit der gleichen Aufmerksamkeit betun. Der eine denkt an zuhause und was ihn erwartet. Der nächste wünscht das Ende der Tortur herbei. Ein Dritter: denkt nach und will darüber reden. Aber geredet, das weißt du ja, wird selten genug und dann schon gar nicht darüber, was tatsächlich bewegt. Warum soll ich die Klassen gegen den Weg draußen ausspielen?

Einer:
So sehe ich das auch. Und noch einmal. Wer Geocaching macht, soll wissen, was er tut.
Das sehe ich nun klarer. Damals hatte ich auch erwartet, sie würden mehr an unseren Themen sein. Übrigens in den Caches standen unsere Themen, nicht die ihren. Und wer die Freiheit zum Weg gibt, sollte zulassen, dass sich die Schüler diese Freiheit weitgehend nehmen und diese nicht ablagen, wenn sie vor den Caches stehen und plötzlich denken: Aha, jetzt ist eine Leistungssituation! Das klappt nicht und wäre purer Schwindel, sich selbst und auch den Jungen gegenüber.

Dritter:.
So ähnlich habe ich es gedacht.

Zweiter:
Nun gut. Wer also Leistung definiert und auch erwartet, sollte kein solches Verfahren machen. Das ist eine Einsicht.

Einer:
Vielleicht. Doch noch anders: Wenn Menschen unterwegs sind, dann ist das eine offene Situation. Da ist es doch nicht so, dass alle gar nichts machen. Der eine sorgt für die Richtung, der andere erzählt Geschichten. Wieder ein anderer bringt in Erinnerung, was in den Caches steht und denkt daran, vielleicht auch darüber nach. Und seine Ermahnung, die Aufgabe nicht zu vergessen, wird gehört oder auch nicht. Ein weiterer sieht dort ein Tier und mahnt zur Stille, dass alle es sehen können. Wieder ein anderer hilft gerade einem weiteren, der fallen wollte. Ist das denn nichts? Was ist das für eine Brille, durch die du immer nur das eine siehst, das letztlich dir gefällt: die erfüllte Aufgabe. Das Geocaching ist eine andere Weise zu lernen und sich zu bilden.

Dritter::
Ich verstehe es so: Man schafft einen Rahmen, der wirkt, und innerhalb dessen kann viel geschehen.

Einer:
Ja, so meine ich es.

Zweiter:
…aber das, was geschehen soll?

Einer:
Was geschehen darf und soll, muss ich am Anfang klären. Wenn nur das eine geschehen soll und sonst nichts, geht Geocaching schief. Denn offene Landschaft und Kontrolle gehen schwer zusammen. Es ist ja wichtig, dass auch die konzentrierte Beschäftigung aller an einer Sache ihren Platz braucht. Aber wer das beim Geocaching erhofft, wird leiden oder eine Enttäuschung erleben. Übrigens: Auch eine Enttäuschung kann bilden!

Zweiter:
Nun schön und gut. Ich glaube, das wäre nichts für mich. Ich brauche es eindeutiger. Und leiden tu` ich schon genug im Unterricht. Und: Was kommt denn nun am Ende dabei heraus?

Dritter::
Das wundert mich nicht. Nun gib bloß nicht den Schülern alle Schuld!

Einer:
Was da herauskommt? Einen Teil davon erfährt man, wenn alle wieder da sind und sich unterhalten in offener Runde. Davon will ich Euch noch erzählen.

Dritter::
Mich würde aber doch interessieren, was die Schüler in den Caches fanden und wo sie sie
fanden.

Einer:
Ich will das kurz erklären. Jeder Cache enthielt ein Arbeitsblatt. Auf diesem Arbeitsblatt stand oben erst der Gruppenname, denn jede Gruppe war benannt nach einer Tugend: Gerechtigkeit/ Mut und Tapferkeit/ Besonnenheit/ Ehrlichkeit. Zugleich waren diese Tugenden auch den fünf Caches als Aufgabenüberschriften zugeordnet, sodass jede Gruppe, welche Tugend auch ihr Name war, doch mit den anderen Tugenden in Berührung kam. Alle vier Gruppen liefen also auf zwei Wegen und in jeweils entgegengesetzter Richtung fünf Stationen an, die fünf Tugenden gewidmet waren. Den genannten und als fünfte kam die Klugheit noch dazu. So hatte jede Station eine Überschrift. An jeder der Stationen fand sich ein Arbeitsblatt.
Ich gebe ein Beispiel: Station 1 war dem Mut und der Tapferkeit gewidmet. Hier wurde in einer knappen Erzählung an Luthers Auftritt vor dem Reichstag in Worms erinnert. Sodann die Aufgabe für die Gruppe: „Versetzt euch in die Situation Luthers…“. Dann folgten zwei Fragen. Frage 1: „Wie wird es Luther in dieser Situation ergangen sein?“ Frage 2: „Weshalb konnte Luther mutig auftreten?“ Dazu sollten sich die Schüler Gedanken machen. Die Antwort war auf einer Karte zu notieren.
Am Ende dann gab es einen verschlüsselten Hinweis zum Versteck des nächsten Caches, der folgend zu finden war. Zum Beispiel: „Suchhinweis für Station 2: Sitze wie ein Herrscher“. Was sich auf einen Baumstumpf bezog, der dastand wie ein Thron und von wo aus das Versteck zu sehen war usw. So haben wir es gemacht.

Dritter::
Mir scheint das Ganze ziemlich anspruchsvoll, auch was die Aufgaben und die Gruppenarbeit betrifft.

Einer:
Ja, das ist richtig, vielleicht doch etwas anspruchsvoll. Uns war an Arbeit mit Substanz gelegen. Ich sagte schon, verbunden mit den Draußensein war das nicht einzulösen.

Zweiter:
Vielleicht sollte man sich mehr auf Quizz und Wettbewerb verlegen, vielleicht auch einen Preis vergeben für gelöste Aufgaben.

Einer:
Das wäre eine Idee. Doch finde ich nun selbst auch, dass Inhalt und Vergnügen in rechtem Maß stehen sollten. Natürlich kann man auch einfach draußen sein. Doch wäre es dann sinnvoll, der Sache einen halben Tag zu geben, wenn es um ein bestimmtes Thema geht?
Das wäre noch einmal zu überdenken.

Zweiter:
Mich würde interessieren, wie die Sache dann in Gang kam. Was war zu tun, bevor die Schüler starteten?

Einer:
Meine Erfahrung ist, dass Vieles zu besprechen ist und es allen nützt, wenn man sehr klar hat, was anzusagen ist. Zuerst war die Technik zu erklären. Das haben wir gründlich getan. Ein paar der Schüler hatten schon Erfahrung. Wir haben genau beschrieben, was zu tun ist, um von einer Station zur nächsten zu gelangen. Danach der Einstieg. Wir bildeten die Gruppen. Von uns eine Telefonnummer, um anzurufen, wenn es Schwierigkeiten gibt, dazu die nötigen Materialien. Das waren: ein GPS-Gerät nebst einer Ersatzbatterie, 1 Stift, Karten unterschiedlicher Farben zum notieren der Ergebnisse an den Stationen. Wir haben jeder Gruppe gut erklärt, worauf zu achten ist.

Zweiter:
Wie lange hat das denn gedauert und achtete man darauf, was ihr sagtet?

Einer:
Ja, das schien mir kein Problem. Da alle neugierig waren, was das werden würde, war Aufmerksamkeit da, auch für den kleinen Probelauf, um die Geräte auszuprobieren. Es hätte aber auch nicht länger dauern sollen. Dann schickten wir sie auf den Weg und sagten folgende Sätze, die ich für wichtig halte:

Ihr werdet auf dem Weg sein.
Ihr werdet viermal Luther begegnen.
Ihr werdet gemeinsam als Gruppe unterwegs, füreinander achtsam sein und
zusammen arbeiten.
Keiner soll verloren gehen.
Ihr entscheidet über die Wege, die ihr gehen werdet. Denkt bei der Wahl aneinander.
Unterstützt Euch. Teilt miteinander, was ihr erlebt.
Es geht nicht um Tempo. Es geht darum, sich durchzufinden und sich um die am Weg liegenden Aufgaben zu kümmern.

Zweiter:
Das sind gewichtige Sätze. Wurden sie gehört?

Einer:
Mein Eindruck war, sie hörten zu.

Dritter::
Und dann, dann ging es los?

Einer:
Ja. Fröhlich zogen sie los. Ein schönes Bild, wie sie lachend und schwatzend sich entfernten, gespannt auf das was kommen würde. Nicht jeder gleichermaßen ausgelassen, aber alle mit dabei. Ich dachte mir, schön wäre es, wenn wir die Kinder so ins Leben entlassen könnten:
Gut vorbereitet. Eine Aufgabe – es gibt etwas zu tun, das nicht beliebig ist. Das Wichtige dabei. Gespannt auf das kommende „Abenteuer Leben“ beide: die zurückbleibenden Erwachsenen und die losziehenden Kinder. Alle in An-Bindung: Erreichbar die Erwachsenen und dennoch nicht mehr fürsorglich und bestimmend und unmittelbar. Anbindung scheint mir eine gute Sache. Bindung reißt nicht ab. Man kann sich erreichen. Doch gerade ist es gar nicht nötig. Hoffend und wissen, man wird sich wieder treffen und dann gibt es etwas zu erzählen.

Zweiter:
Und was tatet ihr?

Einer:
Wir sind spazieren gegangen. Nicht den Jungen nach, sondern unseren eigenen Weg suchend. Mitunter sah man welche aus der Ferne. Auf eine Begegnung legten wir es nicht an. Uns war an Beaufsichtigung nicht gelegen. Warum dies kleine Stückchen freies Leben wieder observieren? Und kamen wir doch einmal einer Gruppe nah, zogen wir uns zurück oder grüßten freundlich kurz, so wie von ungefähr, und zogen weiter. Das ging uns erst mal gar nichts an.

Zweiter:
Und gab es Unfälle, Pleiten, Pech und Pannen?

Einer:
Nein, zum Glück nicht. Ich hatte dann nur den Eindruck, die Wege hätten weiter sein können und die Verstecke komplizierter. Mir ging es eher etwas zu schnell und glatt. Man sah übrigens, wie tief das Wettspiel steckt, denn allen Gruppen ging es auch darum, als Erste wieder da zu sein.

Dritter::
Wie lange dauerte der Ausflug denn?

Einer:
So um die anderthalb Stunden. Also gar nicht so lang. Manche habe sich beeilt, andere trabten doch recht lässig über Wiese und durch den Wald. Wir achteten darauf, dass sie der Weg durch vielerlei Landschaft führen würde.

Zweiter:
Und dann kamen sie zurück.

Einer:
Ja, nach und nach. Alle hatten gefunden, was zu suchen war. Und dann setzen wir uns zusammen und sprachen über das, was geschehen war. Meine Fragen waren:

Wie zufrieden seid ihr mit dem Ausflug?
Was hat sich ereignet, das besonders war?
Gab es etwas, das nicht hätte passieren brauchen?

Wer hat was gemacht? Wer hat zum Beispiel die Gruppe geführt? Wer hatte das Gerät? Was trugen andere zum Gelingen bei?

Und schließlich haben wir über das gesprochen, was die Schüler aus den Luther-Aufgaben mitbrachten.

Zweiter:
Vorhin da war von Herrn de Montaigne die Rede. Du hast auf den Punkt zu bringen versucht, was dieser meinte. Können wir darauf zurück kommen?

Dritter::
Das fände ich auch noch einmal bedenkenswert. Ich will es in Erinnerung rufen. Da war, wenn ich es noch recht weiß zum einen der Anspruch und in schönes Bild gefasst, den Zögling vor sich hertraben zu lassen….

Zweiter.
Das scheint mir doch verfehlt, bleibt der Lehrer bei der Sache zurück.

Einer:
Ich denke, es braucht Nähe und Distanz und was Montaigne meint, das ist ein Bild. Wichtig ist doch, dass der Schüler frei gehen kann. Erst dann zeigt sich seine Gangart. Da muss ihm der Lehrer nicht am Hintern kleben. Aber er muss sehen, wie der Schüler geht. Und das kann er auch aus einem Bericht erfahren.

Zweiter:
Kann man eigentlich als Lehrer auch dabei sein, mitgehen, auf dem Weg?

Dritter::
Das denk ich schon, dann wird es ein Abenteuer ganz unterwegs und Lehrer und auch Schüler aufeinander achtend und möglicherweise beieinander im Abenteuer. Da kann der Lehrer vielleicht so recht zur Geltung bringen, was er an Lebenserfahrung, Bildung, Kenntnis, Tugend hat.

Einer:
Wenn er’s denn hat.

Dritter::
Hat er’s nicht, dann soll er lieber diese Art zu lehren lassen. Da stimme ich Herrn de Montaigne zu.

Zweiter:
Doch wenn ich mich richtig erinnere, gab es ein Zweites bei Herrn de Montaigne: Die Welt als Bildungsort und zwar die ganze. Into the wild und into the civilisazion. Das Bild von Mutter Natur und zu Gast bei jedermann.

Einer:
Das scheint mir beim Geocaching ausgemacht. Und auch die Begegnung mit Menschen kann dazu gehören. Draußen ist man sowieso und kann der Natur, was das auch sei, gar nicht entgehen, erlebt also immer was.

Dritter::
Hauptsache, es wird auch zur Sprache gebracht und das Erlebnis in Erfahrung und Könnerschaft übersetzt.

Zweiter:
Als drittes ist mir noch erinnerlich, Erfahrungen machen, urteilen und entscheiden und das als das Erlebte und Widerfahrene zu verdauen.

Einer:
Sonst wäre das, wie Herr de Montaigne sagt, ein Würgen, Kotzen und schlechtes Verdauen.
Ich sah übrigens auf Wegen durch den Wald schon so manchen kotzen, würgen…

Zweiter:
Vor Anstrengung. Da kann doch was draus werden. Hier ist wohl eher gemeint: das Nachdenken und Philosophieren als Weg, ein weltgewandeter und gebildeter Mensch zu werden. Bei Montaigne gehört zu diesem Denken der eigene Leib ganz unbedingt dazu.

Dritter::
Ich meine auch, das Leibliche ist immer auch ein Bild für manches andere im Leben. Ich denke an den aufrechten Gang, das Wissen zu verdauen, den rechten Stand und so manche Metapher mehr. Und der Verkehr mit Philosophie – das scheint mir so recht doppeldeutig.

Einer:
Da ist das „Unterwegs sein“ genau das Richtige.

Zweiter:
Wie auch immer: Der Weg als Gelegenheit. Ich denke, hier kann sich alles ereignen, was sich Montaigne als Erziehung, sprich Menschenbildung, wünscht.

Zweiter:
Ja, aber Noten kann man dort recht schwer vergeben.

Dritter::
Dafür, Schulmeister, hast Du ja heutzutage die Klasse wieder bei der Hand und kannst zum Lehrplan greifen. Ich denke aber, mancher Schüler würde sich auch den Unterricht in größerer Weite wünschen und träumt vom Draußensein.

Einer:
Ich fürchte, es gibt kein Universalrezept. Man muss es einfach ausprobieren und den Mut haben, das zu wählen, was mir als reifem Menschen und den Jungen auch das meiste bringt, ob drinnen oder draußen und es darf Freude machen. Wir haben allzu oft beim Lehren, das eigene Kind verloren oder vergessen, was wir uns wünschten.



6. Abgesang



1.



„Dann kam das Frühjahr, die große Reisezeit, und jedes Mitglied der zerstreuten Bande machte sich für irgendeine Reise fertig. Ich arbeitete fleißig an meinem Roman, und als ich etwa in der Mitte angelangt war – nach einer Reise mit meiner Tante in den Süden zu meinem Bruder Rocco – machte ich mich fertig, um zu allerersten Mal nach dem Westen zu fahren.“

Jack Kerouac

2.



„Mein Vater hatte mir versprochen, falls ich mein Staatsexamen mit Auszeichnung bestehe, mir eine Reise zu schenken – ein ganzes Jahr durfte ich umherfahren, wohin ich wollte. Das war eine große Belohnung und so machte ich mich ans Lernen…Ich freute mich, weil sich die Tür zu einer weiten Reise auftat. Zu reisen war immer meine größte Sehnsucht; fremde, unbekannte Gegenden zu sehen, in fremde Meere zu tauchen, andere Menschen und ihre Ideen kennen zu lernen, alles zum erstenmal und zum letztenmal - ,meine Blicke auf allem ruhen zu lassen und dann die Augen zu schließen und den Reichtum aufzuspeichern, ihn – alle Freuden und Traurigkeiten – stürmisch oder langsam sich niederschlagen zu lassen, diese Alchemie des Herzens glaube ich, ist eine große, des Menschen würdige Wonne.“

Nikos Kazantzakis

3.



„ Eines Tages, als er einen Spaziergang machte, kam er an eine freie Stelle inmitten des Waldes und inmitten dieser Stelle stand eine große Eiche und vom Wipfel des Baumes kam ein lautes Summgeräusch. Winnie-der-Pu setzte sich an den Fuß des Baumes, steckte den Kopf zwischen die Pfoten und begann zu denken.
Zu allererst sagte er sich: „Dieses Summgeräusch hat etwas zu bedeuten.
Es gibt doch nicht so ein Summgeräusch, das so einfach summt und summt, ohne dass es etwas bedeutet. Wenn es ein Summgeräusch gibt, dann macht jemand ein Summgeräusch und der einzige Grund dafür, ein Summgeräusch zu machen, den ich kenne, ist, daß man eine Biene ist.“
Dann dachte er wieder lange nach und sagte: „Und der einzige Grund dafür, eine Biene zu sein, den ich kenne, ist, Honig zu machen.“
Und dann stand er auf und sagte: „Und der einzige Grund, Honig zu machen, ist, damit ich ihn essen kann.“ Also begann er auf den Baum hinaufzuklettern…“


A. A. Milne



 


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